Symposium: "Sturz oder nicht Sturz-das ist hier die Frage"

06.12.2018
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Am 22.11.2018 fand in der Rehaklinik Dussnang das Symposium zum Thema "Sturz oder nicht Sturz-das ist hier die Frage" statt. 

Dr. med. Sacha Beck, MHA, Leitender Arzt an der Universitären Klinik für Akutgeriatrie und Leiter des Zentrums für Gerontotraumatologie im Zürcher Stadtspital Waid, referierte zum Thema «Alterstraumatologie – mit dem Sturz beginnt Interdisziplinarität». Anschliessend erklärte unsere Chefärztin Geriatrische Rehabilitation, Dr. med. Monika Schwartländer, was ältere Menschen aus dem Gleichgewicht – und wieder in die Balance bringt. Und schliesslich machte Florian Graf, unser stellvertretender Bereichsleiter Therapie, deutlich, wie Sturzprävention im therapeutischen Team unter Einbezug von computerassistierten Systemen funktioniert.

Insbesondere der Einsatz von computergestützten Technologien spielen in der modernen Rehabilitation eine immer grössere Rolle. Die neuen Technologien werden auch in der Rehaklinik Dussnang erfolgreich eingesetzt. Lesen Sie mehr über diese spannende Entwicklung in dem Interview mit Florian Graf.

 

Florian Graf, robotergestützte Therapien spielen in der medizinischen Rehabilitation eine immer grössere Rolle. Weshalb?

  „Die technischen Unterstützungssysteme haben in unserem Alltag schon lange eine wichtige Rolle eingenommen. Sei es im privaten Sportbereich wo man Self – Tracking betreibt, um sein Training zu optimieren oder im Berufsleben, wo durch verschiedenste Apps der Alltag erleichtert wird. Für mich ist die Modernisierung der medizinischen Rehabilitation und der therapeutischen Interventionen ein wichtiger und unverzichtbarer Schritt, um Patienten effizienter und adäquater zu behandeln".

 Welches sind die grössten Vorteile von robotergestützten Therapien?

 „Eines der grössten Vorteile der roboter- oder computergestützten Therapie ist, dass sie uns ermöglicht, auch immobilere Patienten die früher nur z.B. mit zwei Therapeuten mobilisiert werden konnten, zeitnahe und intensiv zu therapieren. Dies erleichtert nicht nur den Therapeuten den Arbeitsalltag, sondern hilft den Patienten auch schneller wieder ihre Selbstständigkeit und Mobilität im Alltag zu erlangen. Ein weiterer Vorteil der computer- bzw. robotergestützten Therapie ist die Transparenz gegenüber Dritten, da es hier auch verschiedenste Assessments zu Evaluation der Therapie gibt".

Wie oft und bei welchen Fällen verwenden Sie die Therapiegeräte im Alltag?

  „Aktuell befinden wir uns in der Pilotphase. Wir nutzen unsere Gerätschaften für sturzgefährdete Patienten. Hierbei trainieren die Betroffenen täglich eine halbe Stunde auf den Geräten. Zusätzlich ergänzen wir die Intervention mit verschiedensten physiotherapeutischen Interventionen, die auf die Bedürfnisse des Patienten individuell zugeschnitten werden wie z.B. das OTAGO – Programm (Gleichgewichtstraining), MTT, Beckenbodentraining oder Ergotherapie".

 Wie reagieren die Patienten darauf?

  „Zu Beginn empfinden viele Patienten eine gewisse Skepsis gegenüber den Geräten. Aber nach der ersten Trainingseinheit und den ersten Erfolgserlebnissen nimmt man immer ein kleines Lächeln in den Gesichtern der Patienten wahr. Es geht sogar so weit, dass ich nach der Therapie gefragt werde, ob ich heute noch einmal Zeit habe, um mit ihnen auf die Gerätschaften gehen zu können. Mir ist bei der Therapie aufgefallen, dass der spielerische Charakter dieser Therapie nicht zu unterschätzen ist und auch bei älteren Menschen den «Spieltrieb» bzw. den Ehrgeiz weckt. Was mich auch sehr freut ist, dass einige Patienten nach der Rehabilitation zur ambulanten Therapie weiter zu uns kommen, um die Gerätschaften nutzen zu können".

 Welche Erfolge haben Sie damit bisher erzielt?

  „Ein Beispiel bleibt mir hier ganz besonders im Kopf. Eine Patientin stürzte zu Hause in der Nacht als sie auf das WC musste. Sie hatte seither grosse Angst ohne Rollator zu gehen und traute sich auch nicht mehr, kürzere Strecken ohne Hilfsmittel zu gehen. Ich nahm sie in unser Pilotprojekt auf (Sturzprävention). Nach drei Wochen Rehabilitation konnte sie ca. 80m ohne Hilfsmittel sicher gehen. Dies erscheint zwar für einen gesunden Menschen nicht viel, aber der Patientin ermöglichte es, sich in der Küche frei und ohne sperriges Hilfsmittel zu bewegen".

 Ist die robotergestützte Therapie in der Rehabilitation die Zukunft?

  „Ich bin mir sicher, dass dies die Zukunft sein wird. Es wird uns ermöglichen, Patienten immer spezifischer und effektiver zu behandeln und unsere Behandlungen auch transparenter gegenüber Dritten (Kostenträger) zu gestalten. Weiterhin werden wir so auch in der Lage sein, in Zukunft über z.B. Telerehabilitation die Patienten weit über die stationäre Phase hinaus zu betreuen. Der Vorteil einer Telerehabilitation ist, dass die Behandlungsintensität viel höher angesetzt werden kann und der Patient zu Hause engmaschig von dem Therapeuten betreut werden, der den Patienten schon aus der stationären Phase her kennt. So ist eine gezielte und effektive Behandlung mit einem bereits bestehenden Vertrauensverhältnis möglich".

 

Das Interview führte Anja Kutter.